Aktuelles aus dem "Wingert"

Freitag, den 23. September

Diese Woche wurde Dornfelder und somit auch unsere "Fotoanlage" gelesen, die wir seit Juni und der Blüte begleitet haben. Mit einem Mostgewicht von 74° Oechsle und einer Gesamtsäure von 6,5 g/l brachte der Weinberg auch mengenmäßig gute Voraussetzungen für einen sehr guten Qualitätswein mit sich. Das gute Wetter am kommenden Wochenende hätten wir zwar noch gerne zugunsten der Reife ausgenutzt, jedoch zwang uns die Gefahr der Kirschessigfliegenvermehrung zum Handeln. 

 

Trotz des sehr schwierigen Weinjahrs mit sehr viel Aufwand zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten sind wir mit der bisherigen Lese sehr zufrieden! Man kann sich also trotz aller negativen Prognosen vor der Lese auf einen interessanten 2016er Jahrgang freuen :-)

...so sah es die  letzten Wochen aus:

Mittwoch, den 07. September 2016

Unsere Dornfelderanlage hat binnen einer Woche wieder um einige °Oechsle zugenommen, sodass sie nun bei 63°Oe liegt. Das bisher trockenwarme Wetter Ende August und Anfang September führte zu verringerten Wasservorräten im Boden, was sich aber positiv auf die Rebengesundheit und -reife auswirkt. Jedoch hatten die langen und extrem starken Sonnenstunden auch Nachteile: wie man an den unteren Bildern erkennt, konnte in vielen Anlagen Sonnenbrandschäden festgestellt werden. Sogar rote Trauben, die normalerweise weniger empfindlich gegenüber der sogenannten "Bacchuskrankheit" sind, sind betroffen.

 

Allgemein kann man jetzt schon sagen, dass es dieses Jahr geringere Mengen als die letzten Jahre geben wird. Qualitativ sind wir auf einem guten Weg, jedoch kann man vor der Lese noch keine konkreten Aussagen dazu machen. Das Wetter muss demnach in den nächsten Wochen weiterhin mitspielen. Es bleibt also immer noch spannend!

Die Sonnenbrandschäden:

Montag, den 29. August

Nach den letzten heißen und trockenen Augusttagen ist allgemein die Reife der Trauben zügig voran geschritten. Auch unsere Dornfelderanlage konnte innerhalb einer Woche um 11° Oechsle zunehmen und liegt jetzt knapp unter 60°Oe (für das Mindestmostgewicht bei Dornfelder von 68°Oe muss das Wetter weiterhin so schön bleiben). Außerdem sind die Beeren, wie man auf den Bildern gut erkennen kann, bereits voll gefärbt. Während wir im letzten Jahr bereits Mitte September Dornfelder lesen konnten, sind wir 2016 10 - 14 Tage "später dran", bedingt durch das kühle, nasse Frühjahr und den daraus resultierenden späten Blühbeginn.

 

Bezüglich der KEF (Kirschessigfliege) sieht es durch das sonnige Spätsommerwetter aktuell in Kirrweiler noch gut aus. Jedoch kann wie jedes Jahr noch alles passieren: eine lange Regenphase oder eine starke Vermehrung der KEF lassen die Lage wieder ganz anders aussehen... es bleibt spannend!

Montag, den 22. August

Mittlerweile erkennt man schon eine deutliche Verfärbung der Beeren. Dies bedeutet neben einem Reifezuwachs leider auch Gefahr durch die Kirschessigfliege, die ihre Eier nur an rot färbenden Rebsorten ablegt. Zwar konnte sich die "KEF" durch die kühlere Witterung (heiß und sonnig mag sie dagegen gar nicht) der letzten Tage besser vermehren, doch es besteht auch Hoffnung durch die Wetterprognosen der kommenden Tage, die bestes Sommerwetter in der Pfalz versprechen!

 

Des Weiteren steht der Lesebeginn unserer frühen, weißen Sorten bevor. Am Mittwoch wird Ortega geerntet, aus dem unser Federweißer gemacht wird! :)

Montag, den 8. August

Unsere Dornfelderanlage befindet sich aktuell im Makrostadium 8 (Fruchtreife), genauer gesagt am Beginn der Reife, wobei sich einzelne Beeren schon verfärben. Durch die Wetterprognose der nächsten Tage mit Schauern und wenig sommerlichen Temperaturen ist für den Winzer Vorsicht geboten: zum einen besteht für die roten Sorten eine hohe Befallsgefahr durch die Kirschessigfliege, zum anderen wird auch die Peronospora weitere Infektionen auslösen. 

Aktuell sind wir damit beschäftigt mit Esca infizierte Stöcke aus den Weinbergen zu entfernen sowie die ersten Winterbegrünungen einzusäen. Des Weiteren sind noch einige Herbstvorbereitungen im Keller zu treffen, da bei den frühen Sorten wie Ortega und Solaris, aus denen wir "Neuen Wein" herstellen, bereits Ende August mit der Lese gerechnet werden kann!

Freitag, den 29. Juli

Während sich die Dornfeldertrauben in der Anlage auf den Fotos noch im Stadium "Traubenschluss" befinden, ist bei einigen wenigen Sorten schon der Beginn der Beerenverfärbung zu beobachten. Die Laubwandgestaltung mit Heften, dem Laubschnitt und der Entblätterung der Traubenzone haben wir abgeschlossen, sodass es bei uns Winzern - abgesehen vom Pflanzenschutz - wieder etwas ruhiger angeht. 

Auf dem folgenden 1. Bild ist außerdem ein Blatt einer Rebe zu sehen, die von Peronospora (falscher Mehltau) befallen ist. Die Ölflecken, also die gelblich-öligen aufhellungen, die teilweise schon nekrotisiert sind, bilden das 1. Anzeichen dieser Pilzkrankheit. Die Peronospora, die auch zum Absterben der Gescheine bzw. Trauben führen kann, hatte dieses Jahr ideale Wachstumsbedingungen (warm und nass), sodass sie trotz richtiger Anwendung des Pflanzenschutzes Schäden anrichtete. Wie groß diese letztendlich sein werden, wird sich erst im Herbst zeigen. Zum Glück befindet sich der Großteil unserer Anlagen nicht in den stark betroffenen Gebieten bzw. sind dort keine Gescheine betroffen.

 

Die weiteren Bilder zeigen Symptome des Schaderregerkomplexes "Esca", der immer wieder zu Stockausfällen führt, aber (noch) nicht mit Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden kann. Auf den Bildern erkennt man die typischen Tigerstreifen, also eine Nekrotisierung des Blattes um die Blattadern. Ist eine Rebe mit Esca befallen, fault das Holz ab, sodass der Stock komplett abgeschnitten, das Holz außerhalb des Weinbergs verbrannt und der Stamm im nächsten Jahr neu aufgebaut werden muss. 

Freitag, den 22. Juli

Nahezu alle Anlagen haben nun das Stadium "Traubenschluss" erreicht (Beeren berühren sich, bei einer lockerbeerigen Sorte wie Dornfelder nicht so gut zu erkennen wie bei einer kompakten Rebsorte). Durch das für das Beerenwachstum ideale Wetter mit viel Regen und warmen bis heißen Temperaturen werden sie auch weiterhin an Größe zunehmen. Leider bewirkt die aktuelle Wetterlage auch einen hohen Befallsdruck durch den echten (Oidium) und falschen (Peronospora)  Mehltau, weshalb die Spritzabstände momentan noch sehr kurz  - 8 Tage -gehalten werden müssen.

 

Auf den folgenden Bildern ist zu sehen wie eine Portugieseranlage entblättert wird. Die Entblätterung, die von Hand oder maschinell mit einem Entlauber durchgeführt werden kann, bewirkt u.a. eine bessere Besonnung der Trauben sowie eine bessere Abtrocknung, was Fäulnis vorbeugt. Außerdem wird durch die Freistellung der Traubenzone eine bessere Anlagerung von Pflanzenschutzmitteln bewirkt. Ein weiterer Grund ist die Kirschessiggliege: die "KEF" bevorzugt schattige Plätze, sodass eine Eiablage an Trauben mit direkter sonneneinstrahlung vermieden wird. Insgesamt zielt die Entblätterung auf das Erreichen von gesunden Trauben hin, die länger reifen und so höhere Qualitäten hervorbringen können.

Die maschinelle sowie frühe Entblätterung ist sehr schonend: die beiden gegenläufig rotierenden Walzen zupfen die Blätter ab ohne die Trauben zu schädigen. Während wir die roten Sorten von beiden Seiten , v.a. im Hinblick auf die Kirschessigfliege, die nur rote Trauben befällt, entblättern, werden die weißen aufgrund der erhöhten Sonnenbrandgefahr nur einseitig auf der Sonnenabgewandten Seite (Nord oder Ost) entlaubt.

Die Laubwand/Traubenzone vor der Entblätterung

Die freigestellte, entblätterte Traubenzone

Maschinelles Entlauben

Unser Entlauber der Fa. Stockmayer


Sonntag, den 10. Juli 2016

Die noch jungen Beeren haben mittlerweile schon deutlich an Größe zugenommen, sodass sie sich nun im Stadium "Erbsengröße" befinden. Durch den immer noch hohen Mehltaudruck hat neben dem Laubwand-management der Pflanzenschutz oberste Priorität. Neben diesen Arbeiten wird in den nächsten Wochen die Traubenzone entblättert, um die Trauben durch eine bessere Abtrocknung gesund zu halten sowie vor der Kirschessigfliege (KEF), die keine direkte Sonneneinstrahlung mag, zu schützen. 

Sonntag, den 26. Juni 2016

In den meisten Anlagen ist die Blüte beendet, es sind also fast alle Blütenkäppchen abgeworfen. Gegenüber den letzten Jahren hat die Blüte recht lange gedauert. bedingt durch die verhältnismäßig späte Blüte wird es zudem keinen so frühen Lesebeginn geben wie bei den letzten Jahrgängen.

Wie im 1. Bild zu sehen ist, wurde der erste Laubschnitt durchgeführt. Er bewirkt u.a., dass die Triebe oberhalb der Drahtanlage nicht abknicken. Außerdem kann die Rebe dann die Energie, die sie ansonsten in das Triebwachstum gesteckt hätte, für das Trauebnwachstum nutzen, um höhere Qualitäten zu erzeugen. 

Freitag, den 17. Juni 2016

Nahezu alle Rebsorten sind jetzt in der Blüte. Die Bilder zeigen eine Dornfelder-Anlage, deren Triebe bereits schon sehr hoch gewachsen sind. Daher wird es auch schon diese Woche, wenn sich die Triebe  senken,  Zeit für den Laubschnitt. Bleibt das Wetter weiterhin nass und eher kühl für den Sommer, so gibt es keinen raschen Blühverlauf, sondern eine "verzettelte Blüte" und auch der Mehltau wird weiterhin zunehmen. Ab Mitte nächster Woche ist aber Sommerwetter gemeldet, weshalb wir Winzer noch optimistisch sind!

Freitag, den 10. Juni 2016:

Die Reben um Kirrweiler befinden sich gerade kurz vor der Blüte, bei einigen frühen Sorten wie beispielsweise Solaris hat sie schon bereits begonnen. Durch das Wetter in den letzten Wochen (Niederschlag und warme Temperaturen) wurden optimale Wachstumsbedingungen für die Weinreben geschaffen (leider auch für die Mehltaupilze...), sodass ihre Triebe bereits 12 - 13 Blätter tragen. Auch die Gescheine (s. 3. Bild) haben sich stark vergrößert, sodass mit dem Blütebeginn in dieser anlage Anfang der nächsten Woche gerechnet werden kann.

 

Die Blüte, die im Vergleich zu den letzten beiden Jahren ca. 1,5 Wochen und auch im Jahresmittel später beginnt, ist sehr wichtig für den Traubenertrag im Herbst: ist das Blütewetter zu kühl oder zu nass, "verrieseln" viele Trauben (d.h. viele Beeren werden nicht bestäubt). Ab Blütebeginn dauert es dann noch im Schnitt 100 - 110 Tage bis zur Erntereife, sodass Mitte bis Ende September mit der Lese gerechnet werden kann.